Java Loa von Catur Coffee – der Kopi Luwak ohne Tierleid
Fast jeder, der gern mal einen Kaffee trinkt, hat schon etwas von Kopi Luwak gehört. Der Kaffee, der erst durch den Darmtrakt der Zibetkatze geht, bevor er dann – natürlich gesäubert – zu Rohkaffee verarbeitet wird. Dieser sehr seltene Kaffee ist ebenso beliebt, wie auch umstritten: Sein Name steht für Exklusivität, außergewöhnliche Milde und ein fast mystisches Geschmacksprofil. Gleichzeitig ist er zum Symbol für die Schattenseiten luxuriösen Kaffeekonsums geworden: Tierleid, Intransparenz und industrielle Ausbeutung.
Kopi Luwak ohne Zibetkatzen
Catur Coffee aus Indonesien möchte zwar den Geschmack des Katzen-Kaffees haben, aber keine Tiere dafür benutzen. Deshalb hat Catur Coffee angefangen dieses Kapitel neu zu schreiben und das PRIMESTeP-Programm ins Leben gerufen. Hier arbeiten die Kaffeemacher mit dem Berlian Biotech Institut, dem Direktorat für Wissenschafts- und Technologiebereiche der ITB und dem ITB, dem Technologieinstitut Bandung, zusammen. Herausgekommen ist ein Kopi Luwak, der nicht an Tiere gebunden ist. Dazu hat man eine mikrobielle Fermentationstechnologie entwickelt, die von natürlich vorkommenden Mikroben inspiriert ist, die in Zibetkatzen gefunden werden. Und mit diesen Mikroben werden die Kaffeekirschen geimpft und fermentiert.
Kopi Luwak: Mythos, Geschmack und Realität
Ursprünglich entstand Kopi Luwak zufällig. Wild lebende Zibetkatzen fraßen reife Kaffeekirschen, verdauten das Fruchtfleisch und schieden die Bohnen wieder aus. Durch Enzyme und Mikroorganismen im Verdauungstrakt veränderte sich die Struktur der Bohnen: Bitterstoffe wurden abgebaut, Proteine teilweise aufgespalten, das spätere Tassenprofil wurde weicher, runder und komplexer.
Doch mit steigender Nachfrage wandelte sich diese Kuriosität zu einem Industriezweig. Zwielichtige Kaffeefarmer hielten Zibetkatzen in Käfigen und fütterten sie ausschließlich mit Kaffeekirschen. Die meisten heute erhältlichen Kopi-Luwak-Kaffees stammen aus Käfighaltung, mit massiven Auswirkungen auf Tierwohl und Qualität. Paradoxerweise leidet darunter auch der Geschmack: Stress, schlechte Selektion und unhygienische Bedingungen führen oft zu flachen oder fehlerhaften Kaffees.
Die entscheidende Erkenntnis für Catur Coffee:
Nicht das Tier erzeugt den Geschmack – sondern der Fermentationsprozess.
Die Idee hinter Java Loa Luwak Centered Fermentation
Catur Coffee stellte sich eine zentrale Frage: Was wäre, wenn man die positiven Effekte der Luwak-Fermentation gezielt, kontrolliert und ohne Tiere reproduzieren könnte?
Die Antwort darauf war die Luwak Centered Fermentation – ein Ansatz, bei dem Fermentation nicht als Nebeneffekt, sondern als bewusst gestalteter Kernprozess verstanden wird.
„Centered“ bedeutet dabei zweierlei:
- Die Fermentation steht im Zentrum der Qualitätsentwicklung.
- Jeder Schritt wird sensorisch, mikrobiologisch und zeitlich exakt gesteuert.

Die Entwicklung der Fermentationsgrundlage
Der wohl spannendste Teil dieses Kaffees liegt unsichtbar unter der Oberfläche: in der Entwicklung seiner Fermentationsbasis. Wie zum Beispiel durch Hefepilze der Gattung Kluyveromyces, die die Forscher bei den Untersuchungen entdeckt haben.
Auswahl der Rohbohnen
Als Grundlage dienen ausschließlich hochwertige Arabica-Bohnen aus Java, selektiert nach Reifegrad, Dichte und Zuckergehalt. Diese Faktoren sind entscheidend, da sie bestimmen, wie gut die Bohne auf enzymatische Prozesse reagiert.
Nur vollständig reife Kirschen liefern genügend natürliche Zucker und Aminosäuren, um die gewünschte Tiefe und Süße im späteren Profil zu ermöglichen.
Mikroorganismen statt Verdauungstrakt
Statt auf den zufälligen Mikrokosmos eines Tierdarms zu setzen, arbeitet Catur Coffee mit gezielt ausgewählten Mikroorganismen. Diese orientieren sich an den Enzymen und Bakterien, die ursprünglich im Verdauungssystem der Zibetkatze aktiv waren.
Die Fermentationskultur wird:
- stabil gezüchtet
- regelmäßig sensorisch überprüft
- kontinuierlich weiterentwickelt
So entsteht eine reproduzierbare Fermentationsgrundlage, die konstant hohe Qualität ermöglicht – ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischem Kopi Luwak.
Zeit, Temperatur und Sauerstoff
Ein weiterer Schlüssel liegt in der präzisen Steuerung der Umweltbedingungen. Temperatur, pH-Wert, Sauerstoffzufuhr und Dauer der Fermentation werden exakt definiert. Während herkömmliche Fermentation oft zwischen 12 und 48 Stunden schwankt, erfolgt die Centered Fermentation in mehreren kontrollierten Phasen. Jede Phase erfüllt eine bestimmte Funktion:
- Abbau von Bitterstoffen
- Modifikation von Proteinen
- Entwicklung weicher, süßer Aromakomponenten
Das Ergebnis ist keine Überfermentation, sondern sensorische Balance.

Geschmack: Vertraut, elegant und außergewöhnlich klar
In der Tasse zeigt der Java Loa Luwak eindrucksvoll, warum Kopi Luwak einst berühmt wurde – und warum dieser Ansatz ihm in nichts nachsteht.
Weicher Körper
Schon der erste Schluck offenbart eine bemerkenswerte Textur. Der Körper ist voll, aber nie schwer. Statt ölig oder stumpf wirkt er samtig und cremig, fast schon seidig auf der Zunge. Diese Weichheit ist ein direktes Resultat des kontrollierten Proteinabbaus während der Fermentation. Eines der markantesten Merkmale dieses Kaffees ist seine außergewöhnlich niedrige Bitterkeit. Selbst bei längeren Extraktionen bleibt der Geschmack stabil und angenehm. Bitterstoffe wurden gezielt reduziert, ohne dem Kaffee Struktur oder Tiefe zu nehmen. Im Aromenprofil dominieren (in unserer Röstung) Ananas, Heidelbeere und Akazienhonig sowie die stets im Kaffee vorkommenden schokoladigen und nussigen Noten. Diese Aromen wirken nicht jedoch nie aufgesetzt, sondern tief integriert – ein Zeichen für gelungene Fermentation und saubere Röstung.
Langer, runder Abgang
Der Nachhall ist lang, warm und vollkommen frei von adstringierenden Noten. Statt eines abrupten Endes bleibt ein ruhiges, ausgewogenes Finish, das zum nächsten Schluck einlädt.

Rezeptempfehlung für den Java Loa von Wildkaffee
So bereitest du den von uns gerösteten Java Loa Luwak Centered Fermentation in einem Handfilter zu – das Rezept hat unser Mann in Wien, World Brewers Cup Sieger 2024 Martin Wölfl, entwickelt.
Du benötigst:
- 16 g Kaffee
- 260 ml 93 °C heißes Wasser
- Den Kaffee mahlst du auf 620 Micron (Mikrometer)
Für die Zubereitung hat Martin einen Orea V4 und im letzten Schritt zusätzlich einen Melodrip sowie Kalita Filterpapier verwendet. Du kannst natürlich einfach dein vorhandenes Equipment nutzen und musst dir nicht alles neu zulegen.
- 00:00 Minuten 60 ml aufgießen
- 00:40 Minuten 160 ml aufgießen (langsam und konstant zu Beginn in Kreisbewegungen und danach nur in der Mitte gießen)
- 1:30 Minuten 260 ml aufgießen (der letzte Schritt ist inklusive Melodrip)
- Brühzeit: 2:15 Minuten
Du darfst natürlich gern ausgehend von diesem Rezept experimentieren, und die Aufguss-Phasen verändern, um zu sehen, wie sich der Kaffee verhält und sich der Geschmack verändert. Zum einen lernst du dann was und zum anderen findest du vielleicht ein Rezept, dass dir noch besser schmeckt.
Genuss ohne moralischen Konflikt
Was diesen Kaffee wirklich besonders macht, ist nicht nur sein Geschmack – sondern das Gefühl, ihn mit gutem Gewissen genießen zu können, da man komplett auf den Einsatz von Tieren verzichtet.
Der Java Loa Luwak Centered Fermentation steht für:
- komplett tierleidfreie Herstellung
- volle Transparenz in der Produktion
- nachhaltige Verarbeitung auf Ursprungsebene
- faire Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten
Er zeigt, dass echter Luxus heute nicht mehr aus Exklusivität um jeden Preis entsteht, sondern aus Wissen, Verantwortung und handwerklicher Präzision.
Fazit: Die Evolution einer Legende
Der Java Loa Luwak Centered Fermentation von Catur Coffee ist kein Ersatz für Kopi Luwak – er ist seine konsequente Weiterentwicklung. Er bewahrt das, was diesen Kaffee einst besonders machte: Weichheit, Komplexität und Eleganz und feine Aromen. Gleichzeitig verabschiedet er sich von allem, was nicht mehr zeitgemäß ist.
Für alle, die außergewöhnlichen Kaffee lieben – und dabei keine Kompromisse eingehen wollen – ist dieser Kaffee ein klares Statement: Legendärer Geschmack braucht kein Tierleid.




